Formular-Typen

Formulare sind unersetzlich, unergründlich und unwiderstehlich sexy. Ohne Formulare keine Suchmaschinen, Gästebücher und keine Newsletterabos. In dieser Hinsicht sind wir uns einig, Formulare sind eine gute Sache.

Dr.Web (Hinweis) hat sich als großer Liebhaber der elegant gestalteten, schönen Formular Form um diese Kunst mit Beharrlichkeit verdient gemacht. Als Ergebnis unermüdlicher Grundlagenforschung ist hier Jans definitive Formular Typisierung.

1.) Das gewöhnliche Formular. Dieses ist sehr verbreitet. Hier steht die absolute Funktionalität noch im Mittelpunkt. Man gibt ein, was einzugeben ist, eventuell selektiert man etwas und der Gebrauch dieses Typus ist mit einem wohlwollenden Ergebnis beendet.

2.) Das Designer-Formular. Der Anblick dieses Typs ruft ehrfürchtiges Erschaudern hervor. Oh mein Gott - welch ein design-technischer Höhepunkt in meinem Leben. Nach circa fünf Minuten inbrünstiger Betrachtung fällt einem wieder ein, was man wollte. Irgend etwas eingeben und das Ergebnis abwarten.

3.) Das Super-Mega-Formular. Dieser Typ verschlingt rein platztechnisch mindestens zwei Din-A4-Seiten. Geballtes Know-How wurde hier integriert. Das Abarbeiten eines solchen Formulars erfordert das Ausfüllen von mindestens acht Eingabefeldern, das Betätigen von mehreren Checkboxen, Radiobuttons und Auswahllisten. Ein großes Kommentar-Feld und das Abonnieren eines Newsletters sind hier exzellent integriert. Den Button zum Absenden findet man erst nach mehrmaligem Scrollen. Der Rest läuft wie gehabt.

4.) Das funktionslose Formular. Es handelt sich hier um einen ausgesprochen arglistigen Typus. Dieses Formular wirkt auf den ersten Blick normal. Spätestens nach dem Betätigen des Buttons zum Absenden wirft der Wolf seinen Schafspelz ab und zeigt sein wahres Gesicht. Es passiert nichts. Ergebnis dieses Typs ist ein frustrierter Surfer.

5.) Das High-Tech-Formular. Neueste Html- und CSS-Technologie kennzeichnen diesen Typ. Nur der aktuellste Browser und ein sehr moderner Rechner sind für die Nutzung dieses Formulars erfolgsversprechend. Abgesehen davon ist ungewiss, ob man sich nun mit dem eigenen System (Baujahr 97) für die Arbeit mit diesem Formular qualifiziert.

6.) Das "* Angabe erforderlich"-Formular. Dass ich in ein Formular etwas einzutragen habe bzw. etwas selektieren muss, war mir schon lange klar. Dieser Formulartyp hilft dabei in entsprechender Weise. Diese Angabe ist Pflicht, jene optional usw. Unübersichtlich wird es, wenn Fußnoten auf 75 % Pflicht hinweisen. Umgekehrt wäre es vielleicht besser gewesen (wegen der Übersichtlichkeit).

7.) Das Baustellen-Formular. Dieser Typ verspricht beim ersten Betrachten eine Menge: Gute Features und Selektions-Möglichkeiten, sozusagen ein Traum von Benutzerfreundlichkeit. Allerdings bemerkt man nach wenigen Sekunden die wohlwollenden Hinweise des Webmasters, das diese oder jene Funktion noch nicht implementiert ist und das man am Besten noch mal später vorbeischaut. Bookmark gesetzt (wird bestimmt gut) und weiter.

8.) Das missbrauchte Formular. Hier wurde das Formular bzw. ein Element zweckentfremdet, beispielsweise Klick-Buttons in Verbindung mit JavaScript. Die vertraute Methodik wird ad absurdum geführt. Das Ergebnis unseres Tuns ist nicht genau vorhersehbar.

9.) Das Jäger- und Sammler-Formular. Dieser Typ ist offensichtlich eine Weiterentwicklung des "Super-Mega-Formulars". Man findet es vorwiegend auf gewinnträchtigen Seiten. Das Ausfüllen gestaltet sich recht kompliziert. Stirnrunzeln bereitet die Fülle der erforderlichen Angaben. Von A wie Alter bis Z wie Zahlungsfähigkeit will man alles von mir wissen. Die Angabe von Informationen in diesem Ausmaß lässt mich sofort an einen Datenschutzbeauftragten denken. Fraglich, ob man den Absende-Button drücken wird.

10.) Der (un)gesunde Mix. Schließlich gibt es noch die Formulare, die eine Art Mischung aus den genannten Typen bilden. Individuell gemixt entsteht ein mehr oder weniger erfreuliches Ergebnis. Eine arge Kombination bildet die Verknüpfung des Typs "Angabe erforderlich" mit "Jäger und Sammler".

Hinweis: Ich habe diesen Artikel für das Online-Magazin Dr.Web geschrieben. Dort wurde der Beitrag zuerst publiziert.

Erstveröffentlichung: 26.02.2001



URL: http://www.schmager.de/form1.shtml aktualisiert: 01.01.2017
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